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Spendenaufruf der Wikimedia schlecht wie noch nie [Korrektur u. Update²]

Das Thema Wikipedia wurde in den Medien hoch und höher gepusht. Keiner, der sich auch nur am Rande des www’s bewegt, konnte es verpassen, denn die Wikipedia nutzt jeder und gerne. Bis dahin.
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Konkret ging es ja darum, dass sich wieder mal Exkludisten (die die gerne sich auf das wesentliche in der Wikipedia beschränken) und Inkludisten (die die gerne alles in der Wikipedia haben möchten) in der Wolle. Ausschlaggebend war aber der Löschantrag des Artikels “MOgIS” (Missbrauchsopfer gegen Internetsperren), der sich gegen die damals anstehende Sperrung von kinderpornografischen Inhalten im Internet einsetzte, da es eine super Möglichkeit zur Schaffung einer Zensur-Infrastruktur gäbe und damit nur wie in den Familien von Opfern gehandelt wird (man will es quasi nicht sehen und macht einen Vorhang drüber). Die Begründung der Exkludisten war die Standard-Ausrede, es wäre “Irrelevant”.

In den Folgetagen entwickelte auch das Internet Hass gegen die Wikipedia als Objekt und bloggte sich die Finger wund. Dabei stand fefes Blog ganz oben auf der Gegnerliste der Exkludisten. Schließlich machte er die Ereignisse öffentlich und gab dazu noch seine Kommentare ab. Also ging es hin und her und die Wikipedianer versuchten tatsächlich, den Wikipedia-Eintrag von fefe zu löschen. Begründung war auch hier die Irrelevanz. Obwohl es ja das u. A. größte Blog ist und schon als “die BILD-Zeitung unter den Blogs” gehandhabt wird.

Vor wenigen Tagen wollte die Wikimedia einen Schlussstrich unter die ganze Sache machen die Sache an die Öffentlichkeit tragen und tagte in Berlin. Offensichtlich ist dabei aber nicht viel herausgekommen. Man hat zwar über ein neues Interface der Wikipedia diskutiert und ob man keine 2-Stufen-Kontrolle einführen kann, aber bisher lobten die Wikimedianer ihr Projekt nur selbst.

Danach folgten weitere Löschanträge für die verschiedensten Artikel. Darunter unter anderem: Tim Pritlove, What The Hack und Peg DHCP. Anstifter war in jedem Fall der Benutzer “Weissbier“, der schon 2007 viele Anträge (u. A. für Artikel wie Mutex) zur Löschung stellte. Und irgendwie sieht die Welt sich das an und muss lachen. Lachen über ein Nachschlagewerk, das seine Benutzer nicht unter Kontrolle hat. Dass es soweit mal kommen musste, war abzusehen, denn die Inkludisten können nicht mit den Exkludisten und so müssen eben epische Kämpfe auf unterstem Niveau durchgeführt werden – in aller Öffentlichkeit. Dagegen sind Doku-Soaps noch richtig langweilig.

Dass diese Ereignisse und noch viele mehr natürlich ziemlich bedrückend sind, ist schon klar. Das wirft natürlich eine massiv schlechtes Licht auf die Wikipedia, besonders wegen eines Artikels, der zwar inhaltlich mager war, aber von großer Relevanz für die Internetgemeinde ist. Es ist so trauchig, dass die Wikipedia den Weg der Ignoranz und Relevanz geht, da sie besonders beliebt bisher war. Und mit einem Male hat sie quasi alles kaputt gemacht.

Das sehen auch die Spender so, die sonst immer gerne Geld für die Wikimedia allgemein ausgeben haben. Waren die Kommentare im Oktober 2009 noch “einzigartig und genial!”, sind sie heute “Ignoranz kommt vor den Fall”. Waren die Spenden vor einen Monat noch relativ hoch bei 10-250 Euro angesetzt, mögen heute die meisten 1-20 Euro ausgeben. Die Wikipedia leidet. Unter sich selbst.

Update: Scheinbar löscht Wikimedia Kommentare, die ihnen nicht so passen. Begründet wird das im Wikimedia-Blog mit falschen Kontoverbindungen, für die Bearbeitungskosten bei der Bank fällig werden. Außerdem distanziert sich Wikimedia von Wikipedia, da sie nicht der Betreiber der Wikipedia wären. Laut des Wikipedia-Artikels ist es nämlich die “Wikimedia Foundation”. Also, irgendwie sinnlos die eigenen Besucher zu veralbern.

Update2: Wie avatar gerade per Kommentar mitteilte, gibt es keine Verbindung zwischen der Wikipedia und der Wikimedia Deutschland e. V.. Lediglich die Wikimedia Foundation (kurz WMF) verwaltet die Wikipedien. Die einzelnen “Chapter” (also lokale Organisationen) treten nur als Fördervereine auf und der größte deutsche Chapter ist die Wikimedia Deutschland e. V..

  1. Inkl. Admin
    12. November 2009, 18:23 | #1

    Das dauernde Adminbashing ist in diesem Zusammenhang schlicht albern. Es ist gerade nicht die Mehrheit der Admins die alles löscht was geht. Nur eine absolute Minderheit löscht überwiegend was ihnen in die Finger kommt.

    Strittige Löschungen können jedoch in der Löschprüfung nochmals allen Admins vorgestellt werden und werden dort häufig auch behalten.

    Letztendlich setzen die allermeisten Admins lediglich den Willen der Autorengemeinschaft um. Diese hat in jahrelanger Arbeit die umstrittenen Relevanzkriterien entwickelt. Diese sind der aktuelle Stand des kristallisierten Konsens des Projektes.

    Nerven die Relevanzkriterien oft?
    Natürlich tun sie das. Sie sind aber notwendig damit die Qualitätssicherung im Projekt nicht ganz absäuft. Wenn jeder PRler sein Unternehmen und jeder Hansel sein privates Autoprojekt vorstellen kann wird das Projekt untergehen.

    Es muss darum gehen die Kriterien zu überarbeiten, nicht sie abzuschaffen.

    Das es gerade auch für viele Blogger verlockend ist in das undifferenzierte Bashing einzustimmen ist offensichtlich.

    Schade ist es , dass gerade auch engagierte Autoren und inklusionistische Admins regelmäßig als Nazis, Blockwarte oder löschwütige Egomanen beschimpft werden sobald sie auch offensichtlichen Mist in die LDs einstellen.

    Offensichtlich ist das Projekt für viele auch emotional wichtig, sonst würden die Wogen nicht so hochschlagen. Es ist aber auch klar, das die allermeisten Kritiker die wirklichen Prozesse im Projekt kaum kennen und im Regelfall kaum bereit oder in der Lage sind selbst aktiv beizutragen.

    Oft melden sich Einzelne in der Diskussion mit der Meldung “Ich hatte da auch mal einen Artikel erstellt der wieder gelöscht wurde”.
    Im Regelfall fehlt dabei immer die Angabe des Lemmas oder weitere Details. Das ist auch kein Wunder, ich schaue wenn ich so etwas in Foren lese, so möglich, immer nach was dem Projekt verloren gegangen sein könnte.
    Von ein-zwei Ausnahmen abgesehen oft nicht viel. Meistens sind es Artikel aus 3-6 Sätzen die lieblos hingerotzt wurden, beiträge von peinlichen Selbstdarstellern (nein ich meine nicht den aktuell heiss diskutierten Verein) oder offensichtliche Urheberrechtsverletzungen die per Copy&Paste als Baustelle “abgekippt” werden.

    Es ist kein Wunder, das selbst die allermeisten Autoren gegenüber externen Forderungen nach grundsätzlichen Veränderungen sehr vorsichtig geworden sind.

    Wer einfach eine Abschaffung der Relevanzkriterien fordert hat vom Projekt schlicht keine Ahnung.

    Konkrete Vorschläge wie man den bestehenden Wust an Aufnahmekriterien systematisch und inhaltlich sinnvoller aufbauen könnte machen die Kritiker hingegen praktisch nie.

    Eine echte Änderung des Projektes muss von den Autoren mitgetragen werden. Diese werden sich von Dritten, die keinerlei Eigenbeteiligung am Projekt zeigen, nicht vorschreiben lassen wie sie ihre Freizeit investieren und wie nicht.

  2. Anderer Gregor
    12. November 2009, 20:17 | #2

    @Inkl. Admin: Solange “die Wikipedia” (unter welcher Definition auch immer) solchen Admins nicht nur die Möglichkeit gibt, die Arbeit anderer kaputtzumachen, sondern sie auch noch dabei unterstützt, wird “die Wikipedia” auch entsprechend wahrgenommen. Und: Von ein paar echten Trollen mal abgesehen wird niemand WP-Admins für das Löschen von echtem Vandalismus, PR etc als “B-warte” bezeichnen — sondern dafür, dass sie mutwillig Artikel zerstören, an denen dutzende, hunderte Menschen interessiert sind, die zum Fachwissen tausender gehören (“Mutex”), die teilw. seit Jahren existieren, und gültige (wenn auch seltene) Standards beschreiben (“Peg DHCP”), etc etc. Also: Distanziert Euch — und ver-, oder zumindest behindert diese “absolute Minderheit”. Oder lebt damit, dass sie auf Euch abfärben.

  3. 13. November 2009, 01:38 | #3

    Kurzeinwurf zum Satz Vor wenigen Tagen wollte die Wikimedia einen Schlussstrich unter die ganze Sache machen und tagte in Berlin.: Das Gegenteil ist der Fall. Die Diskussionsveranstaltung wurde eigentlich nur als ein Auftakt gesehen, das Thema in einer breiteren Runde/Öffentlichkeit anzusprechen.

    Zu deinem Update: Es ist leider verwirrend, aber die Wikimedia Foundation (WMF, das ist der Betreiber der Wikipedia) ist nicht mit dem Wikimedia Deutschland e.V. identisch. Es existieren zahlreiche lokale “Chapter”, die juristisch unabhängig von der WMF als Förderverein auftreten. Der Wikimedia Deutschland e.V. ist dabei das älteste und größte Chapter.

  4. Hans
    13. November 2009, 11:44 | #4

    > Die Diskussionsveranstaltung wurde eigentlich nur als ein Auftakt gesehen,

    Warum wurde dann zum Beispiel Markus Kompa Hausverbot erteilt? Warum war die Abschlusserklärung schon vorbereitet?

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